PARADIGMENWECHSEL
Wie schon einleitend
angedeutet sehen wir unsere Initiative auch im Zusammenhang einer
erfreulichen Entwicklung: Es gibt Anzeichen für ein Umdenken, es gibt
die Andeutung für einen Paradigmenwechsel in der Kulturförderung. Zu
einem Zeitpunkt da etwas städtische Organe noch unter dem Diktum einer
Unternehemensberatung aus dem Holozän des Quartalsdenkens stehen haben
die modernen Unternehmensberater erkannt, daß ein langfristig
erfolgreiches Unternehmen nur in der Perspektive eines umfassenden
sozialen Sinnkomplexes beraten werden kann. In diesem Sinne verfolgen
wir die Zeichen einer Umorientierung in dieser Hinsicht mit großer
Sympathie und Interesse. Hans-Heinrich Grosse Brockhoff etwa, in einer
Rede sagt:
(...) wenn sich ein Event an das andere reiht und unsere
Kultureinrichtungen ständig unter dem Druck der Generierung von
Besucherzahlen von Veranstaltungen, von Eigeneinnahmen durch möglichst
viele Veranstaltungen und Events stehen, müssen wir uns gerade in der
öffentlich finanzierten Kultur wieder mehr darauf besinnen, worum es
eigentlich geht.
Ein Land, das wie kaum ein anderes auf Innovation
angewiesen ist, um sich gewissermaßen am eigenen Schopf aus dem Sumpf
zu ziehen, braucht nichts nötiger als die Kraft, die sowohl aus tief
reichenden Schichten unserer kulturellen Substanz, aus den "deep
storages" unserer Archive und Depots als auch aus der Neugier, der
Gewitztheit, der Fähigkeit Neues voraus zu denken und zu ahnen, ja der
Frechheit und Kritikfähigkeit zur aktuellen Kunstszene kommt.
Wir
wollen - und das ist auch ein ausdrücklicher Wille unseres
Ministerpräsidenten, mit dem ich oft über genau diesen Punkt
gesprochen habe - wir wollen weg vom Diktat des nur noch Ökonomischen
in der Kultur.
In der Ausprägung des »kepos« sehen wir die
Möglichkeit einer Wertschöpfung, die, auch aus dem Betracht der Kunst-
und Kulturförderung gesehen, tiefer angelegt, wesentlicher und
wirkungsvoller ist als die Maßnahmen eine Kulturpolitik, die einem
kurzfristigen Evaluierungsdenken und dem Begriff des ?weichen
Standortfaktors? unterworfen sind. Denn: Sinngebung ist Ermutigung per
se. Und eine wirkliche tiefgreifende Ermutigung, ein »Enthousiamos« und
die Figur des »Wurzel schlagens« (im Sinne von Hannah Arendt) ist das
eigentliche Salz der Wirtschaft.
Eine - zugegebenermaßen
anmaßend erscheinende - Perspektive für die Gründung eines Hauses tut
sich hier auf; wir würden uns allerdings verleugnen, würden wir diesen
Beweggrund nicht anzeigen. Auch betreten wir hiermit eine Art Tabuzone:
Idee und Sinnstiftung stehen unter Ideologieverdacht. Wir wollen daher
noch einmal besonders betonen, daß es bei der
Erforschung der
künstlerischen Formen in diesem Zusammenhang um die Möglichkeit der
nonkanonischen, offenen - der komparativen Sinnstiftung geht.
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