VERWEIS UND ÜBERTRAGUNG
Es ist in diesem Papier und dem Antwortschreiben auf die ursprüngliche
Anfrage von Herrn Grosse-Brockhoff in beinahe schon beschwörender Form
von dem Interdisziplinären, dem Zueinanderstellen, den synästhetischen
Möglichkeiten, dem parataktischen Charakter usw. zu lesen. Was will das
besagen - oder vielmehr, worin denn liegt eigentlich das Sinnträchtige
bei den Formen der Verbindung zwischen den Genres, Medien und Künsten?
Das
Sinnträchtige, die erweiterte Wahrnehmung und das tiefbegründete Lernen
wird ermöglicht durch die metaphorische Bezugnahme der Sinngestalten
innerhalb der verschiedenen Träger und Medien.
Es ist zunächst die
Kraft der Analogie, eine zur Schau gestellte oder gelegentliche
Ähnlichkeit der Formen und Abläufe, die etwa ein Unsichtbares mit dem
Sichtbaren, ein Vages mit dem Gewisseren oder ein
Noch-nicht-Dagewesenes mit dem Bekannten anschaulich und wahrnehmbar zu
machen verspricht.
Die Übertragung (metapherein) der Sinnbilder
legt: ?eine intuitive Wahrnehmung einer Ähnlichkeit zwischen
Unähnlichem frei, - stellt die bisher unbemerkten Beziehungen der Dinge
heraus und verleiht dieser Auffassung Dauer? (Shelley, A Defence of Poetry)
Die Analogie kann dabei nicht nur,
»wie man das Wort gemeiniglich nimmt,eine unvollkommene Ähnlichkeit
zweier Dinge (bedeuten), sondern eine vollkommene Ähnlichkeit zweier
Verhältnisse zwischen ganz unähnlichen Dingen.« (Kant, Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, § 58, erster Satz.)
Es
ensteht eine neue Disziplin: Die Entwicklung einer
analogisch-metaphorischen Methodik, die Ausprägung verschiedener Formen
für den metaphorischen Bezug und Moment. Diese Aufgabe der
Künstlerinnen und Künstler selbst ist ebenso kritikfähig wie etwa die
Frage nach der Stimmigkeit von Bildern und Metaphern in dem
Stammbereich der Übertragung von Sinnbildern, der poetischen Sprache.
Es geht nicht darum im Rahmen eines Hauses mit der Entwicklung von
Bezugsformen das zwingende Gesamtkunstwerk zu intendieren, sondern
darum, die lebensvolle und sinnenfällige Erfahrbarkeit und Bedeutung
der Künste, selbst in den freiesten Formen zu ermöglichen. (hierzu weitergehend: III. 2 und 3)
