2020: Veranstaltungs-Archiv

Reihe Z W E I

„Du weißt ja dass ich das sonst nie mache.“
„Nähe und Wahrhaftigkeit in der Film-Kunst.“

Erwin Michelberger | Joachim Rüsenberg

Dienstag, 07.01.2020 19 Uhr

Jeder Abend der Reihe ZWEI konfrontiert und collagiert eine je ausgewählte künstlerische Ausdrucksweise aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Klang etc. Mit einem Werk aus dem Joachim Rüsenberg Archiv. Diesmal zu Gast ist Erwin Michelberger.

Ein Versuch über den Mut zur Wahrheit, der vor keinem Risiko zurückschrecken darf.

Andenken an Joachim Rüsenberg. Im Kino gewesen. Nicht geweint.
Es müsste die Armee von Film­förderungs­regisseuren, und Primetime­söldnern, haltlosen Unter­haltungs­künstlern, Selbst­ver­herr­li­chungs-(schau)-spielern, kriechenden Debütanten und Hollywood­vasallen vor das Grab Robert Bressons ziehen, das stumme Andenken dieses Heiligen für ihr lautes Dasein um Verzeihung bitten und hierauf einen solidarischen leiblichen Selbstmord auf dem angezündeten Stoß ihrer schmutzigen Textseiten, Drehbücher, Faxrollen und Tastaturen unternehmen.

Erwin Michelberger. Studium an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1980 Arbeit als Autor, Regisseur und Filmemacher.
www.michelberger-film.de

literatur

Poetische Begegnungen

Arne Rautenberg trifft Monika Rinck

Donnerstag, 30.01.2020 19:30 Uhr Eintritt 3 / 2 Euro, Mitglieder frei

Wie eng müssten wir gestrickt sein, würden wir Arne Rautenbergs Verse, so minimalisiert, verkürzt und fein sie daherkommen, nicht verbinden können mit großen Bögen des politisch Widerständigen? Nicht minder wehrhaft und zugleich versponnen sind Monika Rincks teilweise wie stotternd daherkommende poetische Invektiven.

Arne Rautenberg, geboren 1967 in Kiel, ist meilenweit entfernt von irgend realpolitischen Ansprüchen. Und dennoch birgt die äußerste Sparsamkeit seiner vielfachen und gestalterisch äußerst unterschiedlich geformten Experimente einen Schlüssel, der auf seine Art unverbrüchlich und klar angibt, wie Unterwürfigkeit unter autoritative Systeme und Strukturen zerlegt werden kann, um klipp und klar zu sagen: Hier ist kein Leben möglich!

Monika Rinck, geboren 1969 in Zweibrücken bei Berlin, hat die Lyrikszene mit jedem neuen Lyrikbuch überrascht in unerwarteten Aufschwüngen und sprachlichen Irritationen, die es dennoch nicht nur in sich hatten, sondern es verstanden, in dem jeweils errichteten sprachbesonderen Feld ein mit Ecken und Spitzen wehrhaft abgestecktes Atoll zu errichten, das sich verteidigen u n d angreifen kann. Wie hat sie das gemacht?

der mund ein grubenunglück
das kinn eine weiße porzellanschale

Arne Rautenberg aus „die haare gewürm“

(…) Der See kam zu sich, lief wieder in mir zusammen.
Nur das Schilf, sonst nichts, bewegte sich. Der Himmel ruhte darüber.

Monika Rinck aus „Der See“

 

Gefördert durch die Kunst­stif­tung NRW, das Kul­tur­amt der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf und die Kunst- und Kul­tur­stif­tung der Stadt­spar­kasse Düssel­dorf

Reihe Z W E I

„…ich sage nur, wie es mir entgegenkömmt.“
from the vaults of JR

Michael Rüsenberg | Joachim Rüsenberg

Dienstag, 04.02.2020 19 Uhr

Jeder Abend der Reihe ZWEI konfrontiert und collagiert eine je ausgewählte künstlerische Ausdrucksweise aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Klang etc. Mit einem Werk aus dem Joachim Rüsenberg Archiv.

Diesmal zu Gast ist Michael Rüsenberg:

„Joachim war in weit größerem Ausmaß Künstler, als ich bemerkt habe. Vieles, vieles kannte ich nicht, wusste ich nicht, war mir neu. Meine Klangkomposition „…ich sage nur, wie es mir entgegenkömmt“ ist der marginale Versuch, davon etwas mitzuteilen. Ihr systematischer Anspruch ist gering. Ich habe mich auf zwei Textsorten beschränkt: Tagebuch-Auszüge, unvollständig, aus verschiedenen Jahrzehnten, sowie eine Art „Drehbuch“, von dem ich – wegen der abweichenden Typografie – nicht sicher bin, ob es von Joachim stammt (andere Personen aus seinem Umkreis aber wohl).

Die Klänge hat Joachim aufgenommen, ich habe sie in keiner seiner Kompositionen wieder gefunden. Ich fand sie sehr attraktiv, sie erscheinen sowohl in ihrer originalen wie auch in transformierter Form. Ich habe also die Klänge, nicht die Texte, verändert. Ganz im Sinne des Goethe-Zitates, das ja nicht zu verstehen ist als einfaches Durchreichen.“

Michael Rüsenberg, geb. 1948, Moderator, Kritiker, Autor, Adolf Grimme Preis, 1989 (mit Joachim Rüsenberg), WDR Jazzpreis, 2015 (für journalistisches Lebenswerk)
michael-ruesenberg.de

Joachim Rüsenberg, 1951- 2016, war Filmemacher und nannte sich später Tonfänger. Er war Mitbegründer des onomato Künstlervereins Düsseldorf, den er mit seinen „Akustischen Projektionen“ prägte. Mit der Reihe ZWEI möchten wird das 2019 eingeweihte Joachim Rüsenberg Archiv in einen öffentlichen Gebrauch überführen.

literatur

Poetische Begegnungen

Lyrikreihe im onomato 7

kuratiert von Frauke Tomczak

Wir freuen uns sehr, dass die Lyrikreihe „Poetische Begegnungen“ auch in diesem Jahr fortgesetzt werden kann. Nicht verändert hat sich die Konzeption: es begegnen sich zwei Lyriker*innen erst in der Lesung, dann im Gespräch. Gleichzeitig ist eine wichtige Ambition der Reihe, auch unbelichtete Poeten*innen ins Licht der Aufmerksamkeit zu stellen, erhalten geblieben. Wir sind besonders stolz darauf, dass die Reihe inzwischen auf eine Kontinuität von sechs Jahren zurückblicken kann, also ins 7. Jahr geht und insgesamt schon 48 Lyriker und Lyrikerinnen zu Gast hatte.

Die geplanten Termine:

12.12.2019 Uljana Wolf trifft Franz Josef Czernin

30.01.2020 Arne Rautenberg trifft Monika Rinck

13.02.2020 Martina Hefter trifft Brigitte Oleschinski

05.03.2020 Adrian Kasnitz trifft Ron Winkler

Veranstaltungstag ist der Donnerstag, Beginn 19:30 Uhr
Ort: onomato künstlerverein, Birkenstraße 97
Eintritt: 3,- / 2,- Euro ermäßigt

Z W E I

Eine onomato Reihe 2019/2020

Kuratiert von Christoph Korn und Katharina Mayer.

Joachim Rüsenberg, 1951- 2016, war Filmemacher und nannte sich später Tonfänger. Er war Mitbegründer des onomato künstlervereins, den er mit seinen „Akustischen Projektionen“ prägte.

Mit der Reihe ZWEI möchten wir das überschaubare, mobile Joachim Rüsenberg Archiv einweihen und in einen öffentlichen Gebrauch überführen.

Jeder Abend konfrontiert und collagiert eine je ausgewählte künstlerische Position aus den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Klang etc. Mit einem Werk aus dem Joachim Rüsenberg Archiv.

Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe und zum 20 jährigen Bestehen des onomato künstlervereins entsteht das RADIX Künstlerbuch „Und schmilzt so schön, mein wachsendes Archiv“, Im Verlag Radix Künstlerbuch+Edition.


Termine in diesem Jahr:
7.01. Erwin Michelberger
4.02. Michael Rüsenberg
3.03. Claas Morgenroth
21.04. Wolfgang Schliemann
5.05. Miu
2.06. Frauke Tomczak
7.07. Claudie Robles
3.09. Thomas Seidel
1.10. Norbert Kraus
5.11. Christoph Korn
3.12. Katharina Mayer

ausstellung

sic transit

Irina Matthes

07.02 – 16.02.2020 – Eröffnung am 07.02. 19 Uhr

„Der Prinz, der in sich nicht weniger als alles ist, weiss auch, dass er in sich nichts ist. Er gelangt zu diesem Nichts auf dem Meer, und er kehrt […] als Nihilist oder als Quietist zurück: Der Rest ist Schweigen. Was nicht erlischt, sondern dauert, ist der einzigartige Wert der, wie man auch sagen könnte, kanonisch sublimen Persönlichkeit Hamlets.“
aus: Harold Bloom: Shakespeare, Die Erfindung des Menschlichen
Im Roman „Butcher’s Crossing“ kommt der Romanheld gegen Ende ins Nachdenken. Er sieht den Büffel, der eben noch „stolz, edel und voller Lebenswürde gewesen war“, wie er gehäutet und ausgeweidet am Haken hängt, „ein Haufen lebloses Fleisch, nur ein bloßes Etwas, das auf groteske, spöttische Weise vor ihm baumelte.“ Der Held begreift, dass die Idee, er könnte in der Wildnis zu sich selbst finden, Ausdruck seiner eigenen Eitelkeit war.

literatur

Poetische Begegnungen

Martina Hefter trifft Brigitte Oleschinski

Donnerstag, 13.02.2020 19:30 Uhr Eintritt 3 / 2 Euro, Mitglieder frei

Als Martina Hefter nach drei Romanen 2008 auch auf der Lyrikszene erschien, erregte sie Aufsehen durch eine ungewöhnliche und eigenwillige Inszenierung ihrer Texte. Auch schlicht gelesen, haben sie einen szenischen Charakter: Szenarien, die mit Alltagsgegenständen – ein Bett – ganze Handlungsräume eröffnen, die sich ihrerseits ins Surreale oder Absurde erweitern.

Brigitte Oleschinski, Jahrgang 1955, ist eine altbekannte Lyrikrerin, die schon mit Gerhard Rühm und zu seinen Lebzeiten noch zusammen mit Oskar Pastior auf der Lesebühne stand. Ihre Lyrik kann kurz und bündig, aber auch in feinen und differenzierten Mehrdeutigkeiten unterschiedlichste Welten und Gegenstandsbereiche, ebenfalls ins Surreale ausgreifend, miteinander verflechten.
Eine Kombination zweier Poetinnen, die einen spannenden, aussergewöhnlichen Abend verspricht.

Auch Himmel vergeht, Himmel wird geringer,
verdünnt sich, strömt fort.
Martina Hefter aus Ich bin geerdet

(…) zwischen Radkappe
und Rinnstein grinst ein verklemmter Heliumfisch, schlaffsilbern
von Kieme zu Kieme (…)
Brigitte Oleschinski aus Wie der hüpfende Atem

 

Gefördert durch die Kunst­stif­tung NRW, das Kul­tur­amt der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf und die Kunst- und Kul­tur­stif­tung der Stadt­spar­kasse Düssel­dorf