2021: Veranstaltungs-Archiv

Montagsgespräch

Alle 14 Tage um 19 Uhr im onomato – theoretisch

Aufgrund der Corona-Situation trifft sich die Montagsgruppe bis auf weiteres online. Neue Mitglieder sind herzlich willkommen, Zugangsdaten bitte erfragen.

ausstellung

IMPRO 97

For those who wish to draw

22.01. – 22.03.2021 – Eröffnung am 22.01. ab 14 Uhr


literatur

Poetische Begegnungen

Kerstin Hensel trifft Friedrich Ani

Donnerstag, 25.03.2021 19:30 Uhr
Livestream Link: https://youtu.be/o10wRkl-d3M

Gleichsam wie mit einer zusätzlichen Sprachbrille ausgestattet, erkundet Kerstin Hensel diverse Bereiche der Wirklichkeit: des Alltags, des Märchen im Alltag, der Mythen, des Spiels und Glücksspiels und immer wieder innere Welten. Ihre poetischen Mittel dabei sind oft idiomatische Wendungen, die überraschen, indem sie beim Wort genommen in fremden Kontexten auftauchen, Sprachspiele, die Wirklichkeiten durcheinanderwürfeln und einen surrealen Sog entwickeln.

1961 in Karl-Marx-Stadt geboren, studierte Kerstin Hensel von 1983 – 85 am Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ in Leipzig und arbeitete anschließend am Theater. 1987 erhielt sie in der 2. Runde seiner Verleihung – der Preis wurde 1986 erstmals vergeben – den renommierten Anna Seghers Preis. 1988 hatte sie einen Lehrauftrag an der „Hochschule für Schauspiel Ernst Busch“ in Berlin. Seit 2001 ist sie dort Professorin für Deutsche Verssprache.

Friedrich Ani, geb 1959 in Bayern, ist vielen Krimilesern durch seine zahlreichen „Tabor-Süden-Romane“ und weitere jeweils nach ihren Ermittlern benannte Krimireihen bekannt. Sein äußerst vielseitiges Werk umfasst neben weiteren Drehbüchern ebenso Romane und Erzählungen, Jugendromane, Bühnenstücke, Hörspiele sowie insgesamt 7 Lyrikbücher.

Lesen wird er aus den neuesten beiden Büchern: „Im Zimmer meines Vaters“ aus dem Jahr 2017 – entstanden während der Zeit, in der Friedrich Ani seinen betagten Vater bis zu seinem Tod pflegte – und „Die Raben von Ninive“, erschienen im letzten Jahr, 2020. Die Balladen genannten Gedichte in diesem Band beleben das alte, narrative und zugleich expressive Genre der Lyrik weniger hinsichtlich der Form als in den unzähligen, mal dramatischen, mal melancholischen Erzählungen von menschlichen Schicksalen und bewegenden Ereignissen, die intensiv, anschaulich und nah werden durch eine poetische Sprache, die frappierende Bilder generiert. In ihnen gerinnt das Erzählte zur umrissenen Figur und bleibt doch zugleich in Bewegung: Geschenke unterm Christbaum: der „bunte/ Weihnachtsberg ein Haufen/ Abfall unbenutzter Liebe.“

Bis ich selbst mich finde dann
Hat die Nacht vier Ecken

Kerstin Hensel aus „Schleuderfigur“

… zwischen
uns ein Tisch, ich sitze
hier und schabe Tränen aus
dem alten harten Holz.

Friedrich Ani aus „Im Zimmer meines Vaters“

Gefördert durch die Kunst­stif­tung NRW, das das Kul­tur­amt der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf und die die Spar­kas­sen-Kultur­stif­tung Rhein­land

ausstellung

Horst Weierstall

„Das Buch der Gezeiten“
Fensterinstallation Düsseldorf/Nikosia

27.03. – 11.04.2021

Das Projekt „Buch der Gezeiten“ entstand 2019 in Düsseldorf für den neuen „Kunstraum Goethe“ des Goetheinstituts Nikosia, Zypern.

Die Installation besteht aus Malereien, Aphorismen und einem Künstlerbuch. Die Arbeiten sind offen strukturiert und ermöglichen eine partizipierende Lesart. Das Projekt ist vom Fenster- und Eingangsbereich des Onomato einsehbar.

Seit 1981 realisiert Horst Weierstall raumbezogene Projekte, Installationen und Aktionen, die Grenzsituationen thematisieren. Ein Filmporträt des Künstlers, gefördert durch das Goethe Institut Zypern, können sie hier sehen: vimeo.com/385544900.

Kuratiert von Terry Buchholz

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist durchgehend im Schaufenster zu sehen. Der Innenbereich kann nach telefonischer Absprache unter Einhaltung der geltenden Coronaregeln betreten werden:
0152 25770460

literatur

Poetische Begegnungen

Hellmuth Opitz trifft Lina Atfah

Donnerstag, 15.04.2021 19:30 Uhr
Livestream Link: https://youtu.be/6kPzega9ePo

Lina Atfah, 1989 in der syrischen Stadt Salamiyah geboren, schrieb schon in ihrer Heimat Gedichte und eckte prompt bei einer Lesung mit einem Gedicht politischen und sozialen Inhalts an, wurde der Gotteslästerung und Staatsbeleidigung beschuldigt. Nach anhaltenden Schikanen – Vorladungen, Befragungen, Untersuchungen in Damaskus – gelang ihr 2014 die Ausreise. Deutschland wurde ihre zweite Heimat.

Ihre Gedichte erzählen in einer bilderreichen, anspruchsvoll poetischen Sprache vielfach von den Schrecken ihres Heimatlandes: „das Morden ist das neue Antlitz dieses Landes“ (aus: „Lina und Leila und der Wolf“), doch ebenso von lichten wie paradiesischen Kindheitserinnerungen. Symptomatisch ist aber auch, dass ihr titelgebendes Gedicht „Das Buch von der fehlenden Ankunft“, von dem es heißt „wir werden ertrinken oder überleben, damit wir das Buch der Ankunft schreiben“, mit den Worten endet: „am Anfang war die Flucht … und am Ende.“ Über das Massaker an den Menschen eines ganzen Dorfes in der Nähe ihrer Geburtsstadt schreibt Atfah:

Die Nacht ist keine untergehende Sonne
die Nacht ist die Nacht der Herzen
und der Straßen, die Dolche zwischen ihren Steinen verstecken.

Lina Atfah „Die letzte Nacht des Dorfes“.

Wie wunderbar leicht und luftig ihre Poesie jenseits der Nächte des Schreckens sein kann, offenbart ihr Gedicht „Federn“:

Die Luft plant eine Verzückung der Rosen
einen Schauer, eine Brechung
ein Gedächtnis, das die Rosen verstreut.

Hellmuth Opitz, 1959 geboren, lebt in Bielefeld und ist nicht erst gestern mit seiner vielfältigen Lyrik in Erscheinung getreten. Schon 1996 veröffentlichte er sein Gedichtbuch „Engel im Herbst mit Orangen“, danach „Die Sekunden vor Augenaufschlag“, 2006 und „Die Dunkelheit knistert wie Kandis“, 2011 und schließlich das Buch, aus dem er auch lesen wird „In diesen leuchtenden Bernsteinmomenten“, 2017. Er wurde 2012 mit dem Post Poetry Preis des Landes NRW und 2016 mit dem Menantes Preis für erotische Dichtung ausgezeichnet.

Hellmuth Opitz versteht es, in einer einfachen, klaren Sprache mit wenigen, durchdacht eingesetzten poetischen Mitteln die unterschiedlichsten Lebenswege, Charaktere und immer wieder Alltagssituationen so zu präsentieren, dass sie ins Bild gesetzt sind. Auf diese Weise erzählen seine Gedichte, ohne erzählerisch zu sein, in Bildern. Sie erzählen vom Kirschenpflücken mit der Liebsten, von einer nicht mehr ganz jungen Frau nach ihrer Scheidung im Freundeskreis, von einer Irrfahrt im Gewerbegebiet, von den „Clans der Bettler“ und dem „Skulpturenpark der Demut.“

In Japan, sagt einer, klebt man die Scherben zerbrochener Vasen mit Gold zusammen,
so wird der Schaden mit Schönheit verfugt.

Hellmuth Opitz aus: „Beschädigte Ware“.

Gefördert durch die Kunst­stif­tung NRW, das das Kul­tur­amt der Lan­des­haupt­stadt Düs­sel­dorf und die die Spar­kas­sen-Kultur­stif­tung Rhein­land


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